Svenska Handelsbanken (Website) ist eine in Stockholm quotierte Bank, die in diversen nordeuropäischen Ländern tätig ist. Sie ist seit über 40 Jahren sehr erfolgreich ist und hat insbesondere die Krisenperioden der vergangenen vier Jahrzehnte besser als andere Banken überstanden.

Kurz: Svenska Handelsbanken ist eine Bank, die bei Betrachtung der langjährigen Geschäftszahlen und -entwicklung positiv hervorsticht. Ich möchte hier nun versuchen aufzuzeigen was meines Erachtens das Besondere an dieser Bank ist.

Das Geschäftsmodell von Svenska Handelsbanken

Svenska Handelsbanken
Svenska Handelsbanken

Für mich ist das Geschäftsmodell von Svenska Handelsbanken ziemlich einzigartig, da es sich klar von dem der Mitbewerber unterscheidet. Dieses Geschäftsmodell wurde in seinen Grundzügen – vom damals neu an die Spitze berufenen CEO Jan Wallander – im Jahre 1970 in seinen Grundzügen konzipiert und konsequent umgesetzt. Es umfasst praktisch alle Bereiche der Bank und ist in allen wesentlichen Bereichen dermaßen gut ineinander verzahnt, dass es bis heute ohne wesentliche Änderungen fortbesteht. Alle Merkmale dieses wirklich besonderen Geschäftsmodells aufzuzählen würde hier zu weit führen, dennoch möchte ich ein paar erwähnen:

1. Die Bank ist konsequent dezentral organisiert: Die Filiale entscheidet kundenseitig soviel als möglich – auch die Kreditentscheidungen. Die Bank rühmt sich, dass der Kunde sich mit demjenigen persönlich trifft, der auch die Entscheidung trifft. Konsequenterweise sieht sich die Konzernzentrale selbst eher in der Rolle des Unterstützers der Filialen. Die Zentrale greift nur ein wenn es nötig ist, hält sich aber ansonsten gegenüber den Filialen mit Vorgaben stark zurück. Eine wichtige Aufgabe der Zentrale ist die laufende Überwachung, denn bei soviel Entscheidungsautonomie ist eine laufende Kontrolle der Schlüssel um etwaige Fehlentwicklungen zeitnah zu erkennen.

2. Der Kunde steht im Mittelpunkt der Tätigkeit. Gut, dass haben andere Banken so oder so ähnlich auch als Ziel formuliert, aber nur die wenigsten setzen das dermaßen konsequent um: Kein Mitarbeiter erhält z.B. variable Vergütungen. Dadurch soll gewährleistet werden, dass der Kundenberater nie in den Konflikt kommt zwischen seinem eigenen Vorteil („nur noch wenige Versicherungs-Verkäufe und ich erhalte einen Bonus“) und dem Bedürfnis des Kunden („er braucht gar keine Versicherung“) entscheiden zu müssen. Dieser klare Kundenfokus hilft Handelsbanken eine starke und langfristige Kundenbindung aufzubauen. Die Tatsache dass Handelsbanken jährlich bei diversen, von unabhängigen Dritten durchgeführten Erhebungen zur Kundenzufriedenheit immer wieder vordere Spitzenplätze einnimmt, bestätigt den Erfolg von Handelsbanken bei diesem Anliegen.

3. Handelsbanken verzichtet völlig auf das Erstellen von Budgets und Jahresplanungen – auch bekannt als „Beyond-Budget“. Stattdessen lautet das erklärte Ziel jährlich eine höhere Eigenkapitalrendite (ROE) zu erzielen als die direkten Mitbewerber. Dieses Ziel ist für jeden verständlich und eindeutig messbar. Handelsbanken hat dieses Ziel seit dem Jahr 1973 (!) und bis heute Jahr für Jahr ohne Ausnahme erreicht. Das nenne ich einen vorzeigbaren Erfolgsausweis: Handelsbanken ist also nachgewiesen erfolgreicher als die Mitbewerber.

Um das Ziel der besseren Eigenkapitalrendite zu erreichen ist auch eine Kostenführerschaft oberstes Gebot und wird nachhaltig verfolgt. Der Großteil der Marketingausgaben wird zum Beispiel auf Ebene der einzelnen Filiale beschlossen. Denn sie kennt das Marktumfeld vor Ort am besten. Die Filiale gibt nur soviel aus wie aus Ihrer Sicht nötig und sie investiert dort in Marketing, wo es für sie den größtmöglichen Nutzen erbringt.

4. Handelsbanken verfolgt eine konsequente Minimierung der Risiken. Die Kreditqualität z.B. ist für Handelsbanken besonders wichtig. Die Bank ist überzeugt davon, dass höhere Zinsen nicht wirklich für schlechtere Kreditqualität kompensieren können. Sie versucht systematisch nur gute Kreditqualität ins Portfolio zu nehmen. Die Filiale weiß, dass sie einen faulgewordenen Kredit bis zum bitteren Ende selbst betreuen muss und ihr keine zentrale Einheit die sogenannten „non performing loans“ (NPL) abnehmen wird. Darum überlegen die Handelsbanken-Filialen sehr genau welche Kredite sie wirklich vergeben wollen. Und der starke Fokus auf eine gute Kreditqualität hilft wiederum beim Erreichen der Kostenführerschaft: Handelsbanken weist Jahr für Jahr niedrigere Kreditkosten als die Mitbewerber aus.

Das Geschäftsmodell = Der “Moat”

Svenska Handelsbanken - Hauptsitz (Svenksa Handelsbanken Value Investing)
Der Hauptsitz in Stockholm

Warum unterstreiche ich überhaupt das Geschäftsmodell von Handelsbanken? Weil es meiner Ansicht nach einen echten „Moat“ darstellt. Dieser dürfte auch langfristig bestehen bleiben: Dieses Geschäftsmodell verlangt von der Zentrale nichts weniger als das Abgeben von unüblich viel Entscheidungsfreiraum an die Filialen – und solch massives Delegieren ist nicht Sache eines jeden CEO’s. Dazu ein Beispiel: Im Jahr 2016 hat der damalige CEO Frank Vang-Jansen begonnen massiv Befugnisse an sich zu holen: also zu zentralisieren. Obwohl der Aufsichtsrat diesen CEO selbst ausgesucht und erst 18 Monate vorher als neuen CEO eingesetzt hatte, folgte die Reaktion prompt. Der CEO, der offensichtlich das bewährte Geschäftsmodell umzubauen versuchte, wurde kurzerhand ausgetauscht! Ein bemerkenswerter Vorgang der viel über das Selbstverständnis dieser Bank aussagt.

Handelsbanken ist seit über vier Jahrzehnten (!) nachweislich mit dem eigenen Geschäftsmodell erfolgreich und dennoch hat es bis heute kein Mitbewerber gewagt bzw. geschafft dieses Geschäftsmodell im Ganzen zu replizieren. Das ist für mich ein klarer Hinweis auf einen starken Moat.

Welche Aussichten hat ein Investment in Svenska Handelsbanken?

a.) Sicherheit:

Vorausgeschickt dass bei Banken typischerweise der Eigenmittelanteil am Bilanzvolumen sehr niedrig, der finanzielle Hebel also sehr hoch ist und vorausgeschickt dass die Qualität des Kreditbuchs von Außenstehenden praktisch nicht autonom beurteilbar ist, bin ich zum Schluss gekommen, dass Handelsbanken aufgrund der bewiesenen Fähigkeit zur Risikominimierung mit zu den sichersten Banken weltweit gehört. Die aktuellen Ratings (Moody’s: Aa2; S&P’s: AA-; Fitch: AA; Rating für „long term“, Stand: 10.02.2018) demonstrieren das sehr deutlich. Ich gehe also davon aus, dass das hier investierte Kapital auch wirklich sicher angelegt ist. Das kann nicht von vielen Banken behauptet werden.

b.) Rentabilität & Ausblick in die Zukunft:

Externe Zukäufe gehören nicht zur Strategie von Handelsbanken, ebenso wenig Kapitalerhöhungen. Vielmehr wird Wert auf rentables Wachstum von innen gelegt. Im letzten Jahrzehnt ist Handelsbanken z.B. sehr erfolgreich in den englischen Markt eingestiegen: Mit dem Eröffnen eigener Filialen, die jeweils nach zwei Jahren den break-even erreichen konnten und danach Gewinne schreiben, die jährlich konstant ansteigen. Daher sehe ich für die Zukunft das Potential den Gewinn weiter zu steigern, wenn auch mit sehr moderater Geschwindigkeit.

Fazit

Ich sehe ein Investment in Handelsbanken als eine Art grundsolide „Anleihe“ an. Die Verzinsung der Anleihe ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen aktuellem Jahresgewinn und konkretem Einstiegspreis. Langfristig hat Handelsbanken m.E. das Potential den Gewinn pro Aktie langsam, aber stetig, zu steigern. Die „Anleihe“ dürfte also künftig stetig mehr rentieren.

 

Transparenzhinweis: Der Autor hat diese Analyse nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, kann die Richtigkeit der angegebenen Daten aber nicht garantieren. Es handelt sich um keine Anlageberatung oder Empfehlung. Dieser Beitrag spiegelt die persönliche, private Meinung des Autors wider. Der Autor hält derzeit Aktien der Svenska Handelsbanken AG. Wie immer gilt: Mach dein eigenes Research. Bitte beachte unseren Haftungsausschluss.

 


Bildquellen

  1. Svenska Handelsbanken (Autor: Tony Webster, Portland, Oregon, United States – Projekt: Wikimedia Commons – Lizenz: CC BY 2.0)
  2. Der Hauptsitz in Stockholm (Autor: Unbekannt – Projekt: Wikimedia Commons – Lizenz: CC BY-SA 3.0)
Svenska Handelsbanken – auch eine Bank kann einen starken Moat haben

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