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Wir werden das Berliner Unternehmen Francotyp-Postalia bei unserer Value Investing Konferenz ValueWeekend 2018 näher kennen lernen können. Wer noch spontan dazu kommen will: Es gibt noch einige freie Plätze. Melde dich einfach auf der Konferenzseite bei uns.

Francotyp-Postalia bietet nach eigenen Informationen “Produkte und Dienstleistungen zur effizienten Postverarbeitung, Konsolidierung von Geschäftspost und Digitale Lösungen für Unternehmen und Behörden.” Im ersten Teil unserer kleinen Serie zu Francotyp-Postalia haben wir das Unternehmen kennen gelernt indem wir darauf geschaut haben, welche Value Investoren darin investiert sind. Auch haben wir die Analysen zu Francotyp-Postalia im Netz ausgewertet. Im zweiten Teil unserer Serie wollen wir das Unternehmen, seine Produkte und seine Strategie besser kennen lernen. Dazu stellen wir die Frage: Was macht Francotyp-Postalia eigentlich?

Um eine Antwort auf diese Frage zu bekommen, empfehlen wir neben unserem Beitrag auch immer einen Blick auf die Homepage des Unternehmens und dabei insbesondere in die Geschäftsberichte. Alle Geschäftsberichte seit 2006 sind auf der Homepage des Frankiermaschinenherstellers zu finden. Sie bieten einen guten Überblick über die Aktivitäten des Unternehmens. Wer weiter in die Geschichte des Unternehmens eintauchen will, findet in diesem YouTube Video zum 90-jährigen Bestehen des Unternehmens einen guten Einblick.

Was stellt Francotyp-Postalia her?

Ein Einblick in die Produktion

Um ein Gefühl für die Produkte des Unternehmens zu bekommen, finde ich diesen Beitrag aus der Berliner Abendschau aus dem Jahr 2016 hilfreich. Er gibt einen Einblick in den Berliner Standort:

Durch den Beitrag wird für mich deutlich, welchen Ansprüchen die Produkte von Francotyp-Postalia genügen müssen. Die Standards der jeweiligen Postpartner müssen einstellbar sein. Die Maschinen müssen zu den nationalen Regulatoriken passen. Insbesondere müssen Sie dabei eine Sicherheit für die Zahlungen/Frankierungen bieten. In gewisser Weise “drucken die Maschinen ja Geld”. Um hier erfolgreiche Produkte herzustellen, erfordert es viel Wissen, einen hohen Spezialisierungsgrad und einiges an Investitionen.

Das spricht für einen Moat um die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens. Verstärkt werden sollte der Moat durch den strukturell schrumpfenden Markt. Das zurückgehende Briefvolumen macht es für Wettbewerber unattraktiv in den Markt einzutreten. Kapital allokiert man eher da, wo es interessante Wachstumsraten gibt. Das kann für bestehende Unternehmen in diesen Märkten eine große Chance sein.

Francotyp-Postalia will darüber hinaus auch die Bewegung der beiden Konkurrenten Neopost und Pitney Bowes aus dem Frankiermaschinenmarkt nutzen, um selbst bei den Kunden mit den eigenen, weiterentwickelten Produkten zu punkten:

Unsere beiden großen Wettbewerber haben seit einigen Jahren andere Prioritäten gesetzt. Ihr traditionelles Geschäft steht nicht mehr im Fokus ihrer Strategie. Wir hingegen gehen in die Offensive, investieren mit ACT wieder in Service, Marketing, Forschung und Entwicklung sowie Vertrieb – und unsere Kunden wissen das sehr zu schätzen. Quelle: Interview mit Vorstand Rüdiger Andreas Günther

Die Frankiermaschinen der Francotyp-Postalia wirken für mich im Vergleich mit den Maschinen von Neopost und Pitney Bowes deutlich moderner. Neben einem ansprechenden Design fällt mir bei Francotyp-Postalia ein farbiges Touchdisplay auf. Die Maschinen der Mitbewerber wirken dagegen eher ein wenig wie ein Taschenrechner aus den 2000ern.

Verkaufsschlager PostBase

Die PostBase scheint der Verkaufsschlager von Francotyp-Postalia zu sein. Über 100.000 Exemplare wurden bereits an die Kunden gebracht. Einen Eindruck der PostBase und der PostBase Mini geben diese YouTube Videos:

Wie sieht es aktuell bei Francotyp-Postalia aus?

A-, B- und C-Segment des Frankiermaschinenmarktes

Wie bereits in unserem ersten Artikel erwähnt, ist Francotyp-Postalia im Markt der kleineren Frankiermaschinen besonders stark. In Fachtermini sind dies die A- und B-Segmente für Frankiersysteme (s. Geschäftsbericht 2017, S. 46). Vom A-Segment spricht man, wenn 1-200 Briefe/Tag verschickt werden. Das B-Segment ist im Bereich von 200-2000 Briefen. Das C-Segment fängt bei über 2000 Briefen an.

Francotyp-Postalia geht davon aus, dass das A- und B-Segment in Zukunft profitieren könnte: Die Briefvolumina nehmen zwar ab, aber trotzdem werden Briefe weiterhin verschickt (werden müssen). Das wird auch die Daten aus dem FP Effizienzreport unterstrichen. Offizielle Schreiben, Spendenquittungen, Auskünfte der Krankenversicherung, Tickets oder auch Verträge sind nur einige Beispiele bei denen die Digitalisierung (noch) nicht greift. Von daher wird es weiterhin eine Nachfrage nach Frankiermaschinen geben. Und deutlich mehr nach kleineren Lösungen in denen Francotyp-Postalia besonders stark ist, so die Argumentation des Unternehmens.

Die Zahlen der letzten Jahre sprechen dafür, dass etwas an dieser These dran ist. Francotyp-Postalia konnte seinen weltweiten Marktanteil von 10% auf 11% steigern. Auch die Umsatzentwicklung war von jährlichem, einstelligem Wachstum geprägt:

Umsatzentwicklung

Francotyp-Postalia Umsatzentwicklung
Quelle: Geschäftsbericht 2017, Seite 61

Ein weiterer Treiber für die Umsatzentwicklung ist internationale Expansion des Berliner Unternehmens. Das lässt sich auch aus der Mitarbeiterzahl ablesen: Während 2013 noch 380 Mitarbeiter im internationalen Vertrieb tätig waren, sind es 2017 429 Personen. Francotyp-Postalia hat sich im Zuge der ACT-Strategie das Ziel gesetzt international Marktanteile zu gewinnen.

Quelle: Geschäftsbericht 2017, S. 51

Der Umsatz von Francotyp-Postalia verteilt sich dabei auf drei Bereiche: “Frankieren und Kuvertieren”, “Mail Services” und “Software”. Deren Beschreibung habe ich allesamt aus dem Geschäftsbericht 2017 von Seite 44 übernommen:

Geschäftsfelder

Frankieren und Kuvertieren

Der FP-Konzern entwickelt und fertigt Frankiersysteme. Er verkauft und vermietet sie ebenso wie Kuvertiersysteme und bietet darüber hinaus umfassende Services. Die Kunden können mit den Frankiersystemen ihre Post in kurzer Zeit automatisiert frankieren und die Portokosten reduzieren. Wichtigster Umsatzträger ist das After-Sales-Geschäft mit seinen wiederkehrenden Umsätzen aus der Vermietung von Frankiersystemen, dem Verkauf von Verbrauchsmaterialien wie Farbbandkassetten und Tintenkartuschen, Servicedienstleistungen, Softwarelösungen für die Kostenstellenverwaltung sowie Teleporto.

Mail Services

Der Produktbereich Mail Services umfasst den Frankierservice – Abholung unfrankierter Ausgangspost und Übernahme der Frankierung – und die Konsolidierung von Geschäftspost. Darunter versteht man die Abholung von Briefen in Unternehmen, deren Sortierung nach Postleitzahlen und die Einlieferung bei einem Briefzentrum der Deutschen Post AG oder alternativen Postzustellern. Das entsprechende Geschäft betreibt die freesort, die mit acht Sortierzentren im Bundesgebiet der führende unabhängige Konsolidierer von Geschäftspost am deutschen Markt ist.

Software

Im Bereich Softwarelösungen fasst der FP-Konzern sein Geschäft mit Hybrid-Mail Services sowie Lösungen rund um die voll digitale Kommunikation zusammen. Bei den Hybrid-Mail Services der FP-Tochter IAB verschickt der Absender das Dokument über das Internet unter Gewährleistung höchster Sicherheitsstandards; der Empfänger erhält im Normalfall einen klassischen Brief. Der FP-Konzern übernimmt den gesamten Herstellungsprozess bis zur Übergabe der Briefe an einen Zustelldienstleister (FP Outbound). Ergänzend bietet der FP-Konzern seinen Kunden auch universelle Komplettlösungen zur Posteingangsverarbeitung (FP Inbound). Dabei wird die gesamte eingehende Post digitalisiert, nach kundenspezifischen Kriterien analysiert, ausgewertet und anschließend dem Daten- oder Dokumentensystem des Kunden in elektronischer Form zugeführt. Die Dienstleistungen der voll digitalen Kommunikation der Tochtergesellschaft Mentana-Claimsoft umfassen vor allem Produkte zur Langzeitspeicherung und zur Absicherung elektronischer Dokumente durch Verschlüsselungs- und Signatursoftware. Zukunftsweisend ist in diesem Bereich das Produkt FP Sign, eine cloudbasierte Lösung für den rechtssicheren digitalen Abschluss und Austausch von Verträgen und Dokumenten.

Die Planbarkeit des Geschäftsmodells scheint dabei sehr hoch zu sein. Fast 80% der Umsätze von Francotyp-Postalia scheinen wiederkehrende Umsätze zu sein.

 Francotyp-Postalia Umsatzerlöse
Quelle: Geschäftsbericht 2017, S. 63

Wo soll es bei Francotyp-Postalia hingehen?

ACT-Strategie

Hier gibt die ACT-Strategie Antworten. A steht für Attack, C steht für Customer Journey und T steht für Transformation.

Mit Attack bläst Francotyp-Postalia zur Attacke im Kerngeschäft. Man will im Kerngeschäft wachsen und auch anschließende Geschäftsfelder, wie z.B. den Päckchenversand erschließen.

Aus bestehenden Kunden soll durch die Customer Journey mehr werden. Den bestehenden Kunden sollen weitere (digitale) Leistungen aus dem Francotyp-Postalia Universum angeboten werden. Dadurch soll auch die Kundenbindung gesteigert werden.

T steht für Transformation und wird vom Unternehmen wie folgt beschrieben:

Die Entwicklung zu einem Begleiter der Digitalisierung von Prozessen setzt zugleich voraus, dass sich auch der FP-Konzern verändert. Im Wesentlichen gehen die Anforderungen hier in die Implementierung und Nutzung neuer agiler Innovationsmethoden zur besseren und schnelleren strategischen Positionierung und Anpassung des Kerngeschäfts entlang der sich wandelnden Kundenbedürfnisse.
Daraus folgt die Exploration und Verprobung zukünftiger Märkte, Produkte und Geschäftsmodelle auf Basis der FP eigenen DNA (Kryptografie, Sensorik, Aktorik, Konnektivität) und auch die weitergehenden Überlegungen strategischer Optionen für die Transformation von FP. Zusätzlich rollt der FP-Konzern im Geschäftsjahr 2018 das Projekt „Structure & Organisation“ mit dem Ziel aus, die Komplexität im FP-Konzern zu reduzieren sowie die Schlagkraft und Agilität eines Unternehmens in der Transformation deutlich zu erhöhen. (Geschäftsbericht 2017, S. 48)

Für mich liest sich das wie der Versuch einen Kulturwandel im Unternehmen zu vollziehen. Dabei soll es in vielen Bereichen neu ausgerichtet werden. Bestehende Kompetenzen sollen weiterentwickelt und in neue Produkte und Geschäftsmodelle überführt werden. Dies wird auch durch diese Aussagen des Vorstand Rüdiger Andreas Günther deutlich:

Anfang 2017, als wir mit ACT loslegten, hatten wir in diesem neuen Bereich noch gar keine nennenswerten Umsätze. Jetzt stehen wir unmittelbar vor dem Markteintritt erster neuer digitaler Produkte und Geschäftsmodelle. Deren Umsatzanteil soll schon ab dem kommenden Jahr überproportional steigen. Für 2020 streben wir bereits einen Umsatz von bis zu 30 Millionen Euro an.

Zukunftsfelder

Ein Schwerpunkt ist dabei das Internet of Things (IoT):

Auf unseren Servern in Berlin empfangen wir schon seit Jahrzehnten Daten von den Frankiermaschinen unserer Kunden und übertragen Updates auf diese Maschinen. So sind mehr als 100.000 Maschinen weltweit zu einem der modernsten und sichersten Internet der Dinge (Internet of Things) verknüpft. Diese Kompetenzen in Kryptographie und Konnektivität sind unsere wichtigsten Assets, an denen potenzielle Kunden in verschiedenen Industriebranchen stark interessiert sind. Denn im Bereich des Internets der Dinge müssen Daten zum Beispiel von Maschinen oder Fahrzeugen sicher in die Cloud übertragen werden.

Strategische Akquisitionen zu Value-Preisen können dabei auch für die zukünftige Entwicklung des Unternehmens eine Rolle spielen:

Wir agieren aus einer Position der finanziellen Stärke heraus – dank unserer soliden Bilanz und einer Kreditlinie in Höhe von bis zu 150 Millionen Euro. Wir werden allerdings nur dann eine Akquisition durchführen, wenn das jeweilige Unternehmen hervorragend zu Francotyp-Postalia passt und der Übernahmepreis nicht zu hoch ist. In der aktuellen Planung sind keine Akquisitionen enthalten. Dennoch werden wir Zukaufgelegenheiten selbstverständlich sorgfältig prüfen. Nach 2020, das haben wir angekündigt, wollen wir Akquisitionen im Umfang von etwa 80 Millionen Euro Umsatz durchführen.

Unabhängig davon werden wir auch künftig Kooperationen mit interessanten Start-Up-Unternehmen vereinbaren und dadurch unsere Kernkompetenzen in Sensorik, Aktorik, Konnektivität und Kryptographie mit innovativem, digitalem Know-how verknüpfen. Berlin ist die Start-up-Hauptstadt Europas, gerade hier bieten sich uns spannende Möglichkeiten.

Wir sind bei unserem Besuch am 21. September mehr über den aktuellen Stand der Entwicklungen zu erfahren. Wir sind sehr gespannt, denn die Ziele von Francotyp-Postalia für die nächsten Jahre sind dabei definitiv ambitioniert:

 Francotyp-Postalia Ziele
Quelle: Geschäftsbericht 2017, S. 48
Was macht Francotyp-Postalia eigentlich?
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