Dieser Gastbeitrag von Felix Gode (Alpha Star) ist Teil unserer Serie, damit wir aus #ausinvestmentfehlernlernen können.

Es gibt wenige Aktivitäten, bei denen der Feedbackprozess so langwierig ist wie an der Börse. Wenn ich z.B. Tennis lernen möchte, erhalte ich durch die sehr schnell zusammenkommende große Zahl an Ballwechseln recht zügig gewisse Grundfertigkeiten, um die Bälle über das Netz und in das gegnerische Feld zu platzieren. Mit ein paar Monaten Übung habe ich die Möglichkeit sogar ein angemessenes Niveau zu erreichen und besser Tennis zu spielen als 99% der Menschen auf der Welt. Durch die Vielzahl an Wiederholungen der Bewegungen lerne ich schnell was zu tun ist. Noch schneller geht der Lernprozess beispielsweise bei einer heißen Herdplatte. Hierfür genügt meist nur ein einziges Feedback.

An der Börse können sich Feedback-Prozesse naturgemäß nicht so schnell drehen. Wenn ich heute die Analyse eines Unternehmens anstelle, werde ich erst in einigen Monaten, oft sogar Jahren, erfahren, ob ich die richtigen Schlüsse gezogen habe. Hinzu kommt, dass an der Börse richtige Entscheidungen nicht zwangsläufig unmittelbar in steigenden Kursen münden. Hingegen können trotz falscher Entscheidungen steigende Kurse vorkommen, was den Feedback-Prozess verzerrt. Man kann leicht auf die falsche Fährte gelockt werden.

Alpha Star Excel
Nicht nur Nummern sind entscheidend für den Anlageerfolg

Die Konsequenz des Ganzen ist, dass es notwendig ist, einen kontinuierlichen Lernprozess zu etablieren und die Feedback-Schleifen wieder und wieder zu fahren. Das bedarf einer langen Zeit, ist aber meines Erachtens der einzige Weg, um die die Lernkurve in die richtige Richtung zu bewegen. Insofern ist das Investieren in Aktien ein evolutionärer Prozess. Welche Entwicklungsschritte wir mit dem Alpha Star vollzogen haben, zeigt am besten eine kleine Zeitreise durch 13 Historie.

Langfristig denken (die Alpha Star Jahre 2006-2010)

Die ersten Jahre nach Start des Alpha Star Aktienclubs im Jahr 2006 waren renditeseitig außerordentlich überzeugend. Selbst das Jahr 2008 war zurückblickend mehr als zufriedenstellend. Zwar müssten wir auch einem Rückgang um 20% verkraften, was jedoch auf der einen Seite – relativ betrachtet – wenig war und auf der anderen Seite folgte ein fulminanter Rebound um rund 40% im Jahr 2009. Dennoch stelle ich diese Phase sehr starker Renditen in Klammern. Heute, auf das Portfolio von damals blickend, stellt man fest, dass es eine ganze Reihe von Unternehmen, die damals für starke Renditebeiträge gesorgt haben, heute überhaupt nicht mehr gibt. Andererseits waren damals Unternehmen im Portfolio, die bei langfristigem Halten der Positionen heute exorbitante Renditesteigerungen aufgewiesen hätten. Doch sowohl diejenigen Unternehmen, die kurzfristig funktionierten und langfristig schwach waren, als auch die langfristig starken Unternehmen, dienten nur einen kurzfristigen Zweck im Portfolio und wurden nach wenigen Wochen oder Monaten wieder veräußert.

Wenn man es hart ausdrückt, zeigt die kurzfristige Orientierung von damals, in Kombination mit der starken Rendite, nichts anderes, als dass ich eine gehörige Menge an Glück gehabt habe. Vor allem mit steigenden Anlagenvolumina hätte der damals verfolgte Ansatz wohl nicht mehr so verfolgt werden können. Auch der damals noch recht hohe Anteil im Verlust beendeter Positionen zeigt den Glücksfaktor auf, wenngleich die Verluste aufgrund unserer Handlungsschnelle meist gering ausfielen.

Was ich gelernt habe:

Vor allem die starken Schwankungen 2008 und 2009 während der Finanzkrise haben uns gezeigt, dass wir am Ende des Tages machtlos gegenüber kurzfristigen Marktbewegungen sind. Die einzige Chance diesem zu begegnen, ist das Setzten auf hohe Qualität und das in einem langfristigen Kontext. In der Folge habe ich die Anlagezyklen der einzelnen Positionen längerfristig ausgerichtet, mit der Folge, dass nicht nur der Turnover im Depot merklich sank, sondern auch die Volatilität seither merklich reduziert wurde.

Alpha Star Ansatz
Im Crash gilt es Ruhe zu bewahren

Schuster bleib´ bei deinen Leisten (Alpha Star Jahr 2014)

Ein Portfolio aus langfristig ausgerichteten, qualitativ starken Unternehmen schützt uns nicht vor kurzfristigen Marktschwankungen. Das hat uns das Jahr 2011 eindrucksvoll gezeigt. Mit dem Tsunami in Japan und dem damit verbundenen Atomunglück sowie der aufflammenden Schuldenkrise der westlichen Welt standen die Börsen unter einem schlechten Stern, einhergehend mit heftigen Turbulenzen. Um die Gefahren der Schuldenkrise zu umschiffen, habe ich versucht das Portfolio mit Shortprodukten abzusichern. Der Versuch die Absicherung richtig zu setzen, ging jedoch kräftig nach hinten los. Denn, nachdem der Short einige Wochen gegen mich gelaufen war, schloss ich die Position, um nur wenige Tage später ungesichert in den August-Crash zu geraten. Der Gedanke war richtig, das Timing miserabel. Die Folge war ein Jahr klar unterhalb der Benchmarks.

Was ich gelernt habe:

Meine Stärken liegen in der Analyse von Unternehmen und nicht in der Beurteilung der Makrolage. Den Versuch dennoch zu wagen und in die Steuerung des Portfolios einfließen zu lassen, kann folglich nur schiefgehen. Selbst wenn die Einschätzung einmal richtig sein sollte, ist die Timing-Komponente, wenn sie ernsthaft hinterfragt wird, nicht steuerbar. In der Folge haben wir nie wieder Makro-Überlegungen in die Portfoliosteuerung einfließen lassen, was sich als richtig erwiesen hat. Seither haben uns medial verbreitete Ängste über mögliche Krisenszenarien keine Rendite mehr gekostet.

Noch tiefer graben (das Alpha Star Jahr 2014)

Auch wenn das Jahr 2014 kein schlechtes Jahr war, hätte es ein deutlich besseres sein können, hätte ich nicht bei drei Investments kapitale Fehler begangen. Gleich drei Aktien mussten im Jahr 2014 mit einem Minus zwischen 26% und 39% verkauft werden, was natürlich eine viel zu hohe Konzentration an Fehlschlägen für ein Jahr ist. Die Gründe für diese Fehlentscheidungen sind schnell ausgemacht. Während wir es in einem Fall mit einer Working Capital-Problematik zu tun hatten, die das Unternehmen in Schieflage brachte, war in einem anderen Fall die Finanzierungssituation ausschlaggebend. Die Verschuldung war schlichtweg zu hoch und die Expansionspläne dafür zu ambitioniert. Im dritten Fall war eine Interessensungleichheit zwischen Management und den weiteren Aktionären der Auslöser des Problems.

Was ich gelernt habe:

Zusammengefasst kann man sagen, dass die Tiefe der Analysen in allen drei Fällen nicht ausreichend hoch war. Auch wenn die retrospektive Betrachtung immer leichter ist, hätten die vorherrschenden Probleme und daraus resultierenden Risiken jeweils erkannt werden können. Um zukünftig keine wesentlichen Aspekte bei Unternehmen mehr zu übersehen, habe ich bei Alpha Star in der Folge das sogenannte Journal eingeführt. Im Journal werden nach rund 50 Punkten harte und weiche Faktoren checklistenartig abgearbeitet und Informationen zusammengetragen. Das schwerwiegende Probleme und Risiken damit übersehen werden, ist seither weitaus unwahrscheinlicher geworden. Einen Verlust in der Höhe, vergleichbar zu den genannten drei Fällen, ist seither tatsächlich nie wieder aufgetreten.

Sei gespannt auf Teil 2 zum Zeitraum von 2014 bis heute. Er folgt bald.

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Meine besten Fehler – Wie sich Alpha Star entwickelte (Teil 1)
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Felix Gode

Seit über zwölf Jahren verfolgen die Brüder Felix und Gero Gode erfolgreich die Anlagestrategie in Hidden Champions des Deutschen Mittelstands. Während die Anlagestrategie im Jahr 2006 zunächst als Aktienclub startete, wurde im September 2014 der Aktienfonds DWB Alpha Star Aktien (WKN: HAFX64) aufgelegt. Der DWB Alpha Star Aktien investiert in mittelständische Unternehmen, mit einem freien Börsenwert kleiner 500 Mio. EUR. Er verfolgt innerhalb dieser Nische einen klassischen Value-Investing-Ansatz. Vor allem zeigte sich die Anlagestrategie auch in Phasen von Marktschwächen robust. Im Oktober 2017 folgte mit dem Alpha Star Dividenden (WKN: HAFX8L) ein zweiter Fonds, bei welchem ein spezieller Fokus auf dividendenstarke Mittelstandsunternehmen gelegt wird.

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