Dieser Gastbeitrag von Felix Gode (Alpha Star) ist Teil unserer Serie, damit wir aus #ausinvestmentfehlernlernen können. Seine Learnings sind es nicht auf Tipps zu hören und die Risikosteuerung zu optimieren. Teil 1 des Beitrags findest du hier.

Glaube nur dir selbst (das Jahr 2015)

Das Jahr 2015 war das erste volle Jahr des Alpha Star in Form des Aktienfonds, in den der Aktienclub Ende 2014 übergegangen war. Zugleich war das Jahr 2015 von einer Unterrendite gegenüber den Benchmarks gekennzeichnet, wenngleich mit klar positiver absoluter Rendite. Zu dieser Entwicklung haben zwei Investments beigetragen, bei denen, im Nachhinein betrachtet, die notwendige Sorgfalt bei der Analyse nicht aufgewendet wurde. Angesichts der starken Entwicklung der Benchmarks vom Jahresstart weg, hinkte der Fonds direkt nach Auflage hinterher. Dieser Umstand machte mich glauben, eine Intensivierung der Suche nach Chancen vorzunehmen, um den Rückstand auszugleichen. Die Folge war eine kleine Sammlung von Ideen, die ich aus Gesprächen mit anderen Investoren und Analysten zusammengetragen hatte, unterlegt mit guten Argumenten. Offensichtlich haben diese Argumente dafür gesorgt, dass ich die Perspektiven der Unternehmen völlig falsch eingeschätzt habe. Mir wurde durch die Überzeugung der Tippgeber Anker gesetzt, die sich als nicht richtig erwiesen. 

Was ich gelernt habe:

An der Börse gibt es eine Vielzahl an Meinungen. Während der eine glaubt etwas gehört zu haben, meint ein anderer etwas entdeckt zu haben, was vorher keinem aufgefallen ist. Seit dem Jahr 2015 höre ich nicht mehr auf Tipps anderer. Alles was ich mir beim Austausch mit anderen merke, ist der Name des Unternehmens, aber vor allem nicht Meinungen über die zukünftige Entwicklung der Unternehmen. Nur die eigene Analyse garantiert, dass auch der rein eigene Ansatz in die Investmententscheidung einfließt.

Eine Lehre: Höre nicht auf Tipps anderer

Warnsignal Übernahmen (das Jahr 2016)

Im Jahr 2016 hat der Alpha Star Aktienfonds bei zwei Aktien Verluste realisieren müssen, die klar hätten verhindert werden können, wenn ich das Thema der Kapitalallokation seitens des Managements besser berücksichtigt hätte. In beiden Fällen war das Management der Unternehmen sehr darauf bedacht, den Unternehmen eine gewisse Relevanz durch Größe zu verleihen. Dies hatte vor allem zur Folge, dass Wachstum durch Übernahmen forciert wurde. Übernahmen sind natürlich nicht per se schlecht, sondern können auch sehr wertstiftend sein, wie viele andere Fälle im Alpha Star über die Jahre gezeigt haben. Der Kontext der Akquisitionen ist jedoch meist ein entscheidender Hinweis. In den besagten Fällen mangelte es den Unternehmen vor allem an organischer Wachstumskraft, was durch die Übernahmen kompensiert werden sollte. Die Folge war eine massive Fehlallokation von Kapital, mit der Konsequenz sinkender Kurse in einem guten Marktumfeld.

Was ich gelernt habe:

Übernahmen sehe ich seit dem Jahr 2016 deutlich kritischer als zuvor. Das gilt insbesondere dann, wenn diese Mängel beim organischen Wachstum kompensieren sollen oder sehr hohe Preise bezahlt werden. Nicht immer, aber oftmals, sind hohe Kaufpreise ein Hinweis auf die vermeintliche Notwendigkeit des Managements aktiv zu werden. Zur Beurteilung der Fähigkeit einer guten Kapitalallokation habe ich die Betrachtung der erwirtschafteten Kapitalrenditen eines Unternehmens noch stärker in den Fokus der Betrachtung gerückt.

Risikosteuerung optimieren (das Jahr 2018)

Nachdem das Jahr 2017 herausragend verlaufen war, kam 2018 der Dämpfer. Vor allem im ersten Halbjahr sprunghaft gestiegene Rohstoffkosten, ungünstige Währungsrelationen und natürlich die deutsche Automobilindustrie haben bei einigen Unternehmen die Gewinne gedrückt, trotz einer grundsätzlich gut laufenden Konjunktur. Während ich denke, in der Portfoliosteuerung im Jahr 2018 vieles richtig gemacht zu haben, denke ich auch, dass der Verlust dennoch hätte geringer ausfallen können. Das gilt übrigens für den Alpha Star Aktienfonds, als auch dem im Herbst 2017 neu gestarteten Alpha Star Dividendenfonds. Ein wesentlicher Grund für die Rendite, die für beide Fonds lediglich auf Gesamtmarktniveau ausfiel, war der Umstand, dass ich bestimmte Entwicklungen bei den Unternehmen nicht habe kommen sehen. Natürlich ist es nicht in Perfektion möglich Dinge kommen zu sehen, aber ich habe gemerkt, dass ich gewisse Tendenzen nicht deutlich genug habe eingrenzen können. Das ist kein Gefühl der Ohnmacht, sondern eher das Gefühl, dass ich mehr hätte tun können.

Was ich gelernt habe:

Die klare Aufgabenstellung im Jahr 2018 war es daher, die blinden Flecken zu beseitigen, die in der Analyse bei einzelnen Unternehmen bestehen, aber vor allem auch deren Interdependenzen innerhalb des Portfolios. Im Zuge dessen haben wir im vergangenen Jahr unser sogenanntes Risk Dashboard eingeführt, in dem wir nicht nur die wesentlichen Risiken einzelner Depotunternehmen visualisieren, sondern auch deren Zusammenspiel auf Portfolioebene. Der Risikosteuerung sollte dies zukünftig zu Gute kommen.

Risikosteuerung optimieren
Eine Lehre: Noch bessere Risikoabsicherung

Zweitens haben wir unsere Confidence Matrix ins Leben gerufen. Kern dieser ist, dass wir den Prognosewerten zu den Depotunternehmen Wahrscheinlichkeiten beimessen. Anhand der verfügbaren Pro- und Kontra-Argumente sowie deren Bedeutung kristallisiert sich so im Erstellungsprozess der Bewertung eines Unternehmens heraus wie belastbar die Argumente tatsächlich sind. Mit diesem Vorgehen wird der Analyst gezwungen, nicht nur Argumente zu suchen, sondern diese auch hinsichtlich der Dimension ihres ökonomischen Einflusses zu beurteilen. In der Konsequenz haben wir nun einen Überblick darüber, welche unserer Prognosepunkte verlässlich sind und welche auf vagen Annahmen beruhen. Die Fehlerquote und das Gesamtrisiko des Portfolios sollten dadurch weiter reduziert werden können.

Fazit

Zurückblickend, konnte der Alpha Star über die vergangenen Jahre produktübergreifend (2006 – 2014 als Alpha Star Aktienclub und 2014 – heute als Alpha Star Aktienfonds) eine gute Entwicklung aufweisen. Die durchschnittliche Rendite nach Kosten lag in den abgelaufenen 13 Jahren bei ca. 15% und die Volatilität konnte über diesen Zeitraum sukzessive bis auf einen Wert von rund 10% gesenkt und über bereits mehrere Jahre niedrig gehalten werden. Zwei Drittel aller Transaktionen sind in der Historie positiv angeschlossen worden, mit einem deutlichen Übergewicht an dreistelligen Renditen gegenüber zweistellig negativen Renditen. Jede siebte Transaktion wurde mit einer dreistelligen Rendite beendet. Noch nie war ein Totalverlust mit einer Position zu verzeichnen.

Wenngleich diese Zahlen zufriedenstellend klingen, macht eine Betrachtung der Historie deutlich, dass dennoch etliche Renditepunkte auf dem Weg liegen gelassen wurden. Das ist kein Schmerz, wohlwissend, dass die Feedback-Schleife und damit der Lernprozess lange Zeit in Anspruch nehmen. Gleichzeitig lässt sich darauf aufbauend jedoch auch davon ausgehen, dass die Kennzahlen weiter optimiert werden können. Insofern ist es auch das erklärte Ziel, die durchschnittlichen Renditen zukünftig auf einen Wert von 20% hin zu optimieren. Das dies grundsätzlich möglich ist, dürfte unbestreitbar sein, aber natürlich wird die Zeit zeigen, welche Prozessanpassungen dafür noch nötig sein werden.

Bildquelle: Mund und Finger von Kristina Flour on Unsplash und Kletterseil von Fancycrave über Unsplash

Meine beste Learnings: Risikosteuerung optimieren und mehr
Noch keine Stimmen.
Bitte warten...

Mehr | More

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.