Dieser Beitrag ist ein leicht modifizierter Abdruck eines Antrags der DELPHI Unternehmensberatungs AG aus Heidelberg, der im Rahmen der Hauptversammlung Deutschen Bank gestellt wurde. Wir veröffentlichen diesen Antrag hier, weil er als Kritik an Dividenden – wie bereits der Artikel „Sei kein Dividendenesel“ – ein starkes Plädoyer für rationale Kapitalallokation ist. Wir haben den Beitrag um einige Überschriften ergänzt. Das Original findest du hier auf Seite 7.

Zu TOP 2: Verwendung des Bilanzgewinns 2018

Wir stellen folgenden Gegenantrag:

  • Es wird keine Dividende ausgeschüttet, der Bilanzgewinn wird in voller Höhe auf neue Rechnung vorgetragen.

Begründung

Dividenden sind steuerschädlich für große Aktionärsgruppen und machen süchtig.

Im fortgeschrittenen Stadium der Sucht wird dann von „Dividendenkontinuität“ gesprochen und es wird erwartet, dass in jedem Jahr mindestens die gleiche oder eine höhere Dividende als im Vorjahr ausgeschüttet wird. Reflexartig fordern sogenannte Aktionärsschutzvereinigungen, aber auch die Vertreter von Sparkassen, Genossenschaftsbanken und anderen Geldverwaltern, die in Fonds Gelder von zigtausenden Kleinanlegern verwalten, die Auszahlung steuerschädlicher Dividenden, konträr zu den Interessen der angeblich von ihnen vertretenen Anlegern. Diese Gier nach Dividenden vernebelt den Verstand bei der rationalen Abwägung von Vor- und Nachteilen einer Ausschüttung.

Der Gesetzgeber hat dies erkannt und hat Dividendenausschüttungen für große und wichtige Aktionärsgruppen steuerlich stark benachteiligt. Ebenso wie Nikotin und Alkohol im Verhältnis zu gesunden Lebensmitteln werden Dividendenausschüttungen für viele Aktionäre ca. 20 – mal (!) so hoch besteuert wie andere unschädliche Genussmittel für Aktionäre wie z.B. Kurssteigerungen, Aktienrückkäufe oder Kapitalrückzahlungen.

Dividenden Kritik - Das Rauchen für Aktionäre?
Dividenden – Das Rauchen der Aktionäre?

Beispiele für eine kritische Perspektive auf Dividenden

Einige Beispiele für Aktionärsgruppen, die unter Dividendenausschüttungen leiden:

a) Alle Privataktionäre

Alle Privataktionäre, die langfristige Anleger sind (z.B. auch alle Belegschaftsaktionäre), die eine Beteiligung von unter 1 % an der Deutsche Bank AG halten (das dürften wohl alle sein) und ihre Aktien vor dem 1.1.2009 erworben haben.

  • Dividendenbesteuerung: Abgeltungssteuer, für Katholiken ca. 30 %
  • Kursgewinnbesteuerung: 0 %

b) Inländische Kapitalgesellschaften

b) Inländische Kapitalgesellschaften, wie z. B. die Antragstellerin DELPHI Unternehmensberatung AG, die eine Beteiligung an der Deutsche Bank AG von weniger als 15 % halten (das sind auch alle).

  • Dividendenbesteuerung: ca. 30 %
  • Kursgewinnbesteuerung: 1,5 %

Allein für die DELPHI Unternehmensberatung AG verursacht die vorgeschlagene Dividendenauszahlung einen Steuermehraufwand von über 20.000 EUR.

c) Kurzfristig orientierte inländische Anleger

Kurzfristig orientierte inländische Anleger, die um den Dividendenstichtag die Aktien nicht für mindestens 45 Tage halten wollen und deshalb die abgezogene Kapitalertragssteuer nicht geltend machen können.

d) Ausländische Privatanleger

Ausländische Privatanleger, bei denen die Dividende unter Abzug von Quellensteuern ausgezahlt wird und die die Quellensteuer in mühsamen, jahrelangen Verfahren zurückfordern müssen. Jeder deutsche Anleger, der einmal schweizerische, belgische oder finnische Quellensteuer zurückgefordert hat, weiß Bescheid.

e) Die meisten in- oder ausländischen Fonds

Die meisten in- oder ausländischen Fonds, an die die Dividende unter Abzug von Steuern ausgezahlt wird, sowie deren private Anleger, für die dies zu tieferen Nachsteuerergebnissen aus ihren Anlagen führt.

Bereits in der Vergangenheit haben Dividendenauszahlungen enorme Schäden angerichtet. Ausländischen Anlegern wurden Dividendenzahlungsfreuden dadurch vermiest, dass diese von vormals mit der Dividende verbundenen Steuergutschriften ausgeschlossen waren. Findige Steuerexperten ließ dies nicht ruhen und man fand die Lösung im Rotlicht-Milieu: Das Dividendenstripping wurde erfunden.

Aber wie so oft bei schädlichen Substanzen hat man die Rechnung ohne den Gesetzgeber gemacht: Das Dealen mit Drogen und Steuergutschriften ist nicht erlaubt, zahlreiche Banken und andere Marktteilnehmer, die mitgedealt haben, mussten Strafen in Höhe von Hunderten von Millionen Euro zahlen. Manche Banken waren dazu nicht in der Lage und wurden von der Aufsicht geschlossen.

Kritik an der Dividende der Deutschen Bank

Bei der Deutsche Bank AG kommt nun noch ein weiteres gewichtiges Argument gegen eine Dividendenausschüttung und für einen entsprechenden Aktienrückkauf dazu:

Die Aktie der Deutsche Bank AG notiert nur zu ca. 25 % des Eigenkapitals je Aktie.

Mit einem Rückkauf nur in Höhe der vorgesehenen Dividendenausschüttungen von rund 200 Mio. Euro könnte die Bank eigene Aktien im Marktwert von 200 Mio. Euro, aber mit einem Eigenkapitalwert von rund 800 Mio. Euro zurückkaufen!

Dadurch würde sich das Eigenkapital, das auf eine in Umlauf befindliche Deutsche Bank Aktie entfällt, unmittelbar um 1 % (800 – 200 = 600 / 60.000) erhöhen, dieser Betrag entspricht 4 % des aktuellen Kurswerts!!

Bedarf es noch weiterer Darlegungen, weshalb man bei den heutigen Rahmenbedingungen, bei denen eher Cannabis und die Sterbehilfe vollständig dereguliert werden als die steuerliche Benachteiligung von Dividendenauszahlungen beseitigt und die Beratung zu Aktien und die Aktienanlage gefördert wird, die Dividende zu Grabe zu tragen ist und mit den entsprechenden Summen eigene Aktien zurückzukaufen sind? Nein.

Bildquelle: Foto „Rauchen Dividenden Kritik“ von Mathew MacQuarrie über Unsplash

Dividenden – Ein schädlicher Genuss für Aktionäre? Eine Dividenden Kritik
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5 thoughts on “Dividenden – Ein schädlicher Genuss für Aktionäre? Eine Dividenden Kritik

  • 14. Juli 2019 um 23:41
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    98,65 Prozent haben für die Verwendung des Bilanzgewinns und damit für die Dividende gestimmt.

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    • 17. Juli 2019 um 15:05
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      Danke für die Information. Das ist natürlich sehr schade, aber beweißt, dass es noch viel Aufklärungsarbeit für die gute Kapitalallokation braucht.

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      • 19. Juli 2019 um 15:04
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        Ich versuche, dieses Thema differenziert zu betrachten. Dividenden sind nicht schlecht, wenn das Unternehmen es sich problemlos (!) leisten kann und genug Geld für Investitionen im Unternehmen selbst übrig bleiben. Große Unternehmen beteiligen ja auch oft ihre Mitarbeiter am Gewinn. Man könnte ja mit derselben Argumentation auch sagen, man sollte die teure Gewinnbeteiligung streichen, damit mehr Geld im Unternehmen verbleibt. Dennoch ist die Gewinnbeteiligung sowohl für Mitarbeiter als auch Aktionäre psychologisch wichtig.
        Völlig anders sieht es jedoch bei der Deutschen Bank aus. Laut Ariva/Aktienfinder beträgt die Ausschüttungsquote auf den Gewinn stolze 1100%. Die vergleichsweise mickrige Dividende wird aber Aktionäre, die die Aktie vor zehn Jahren (oder noch früher!) gekauft haben, nicht wirklich über die dramatischen Kursverluste hinwegtrösten können. Aber Dividende hin oder her – ein Unternehmen wie die Deutsche Bank würde ich nicht mal mit der Kneifzange anfassen. Alleine der Chart ist eine pure Katastrophe.

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  • 13. September 2019 um 14:47
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    Ein Artikel wie aus der Boulevardpresse

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    • 13. September 2019 um 15:04
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      Sehen wir nicht so. Warum siehst du das so?

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