In den vergangenen Wochen habe ich mich intensiv damit auseinandergesetzt, was Wissenschaftler und langfristig denkende Investoren zur Klimakrise und zum Klimawandel sagen. Die Fragen waren dabei: Wie analysieren sie die Klimakrise? Welche Schlüsse ziehen sie aus ihrer Analyse? Und wie stellen sie ihr Portfolio auf?

Die Suche nach Antworten hat mich einige Annahmen schwer in Zweifel ziehen lassen, die man als langfristiger Investor haben kann:

  • Investitionen in Schwellenländer, wie Indien oder Indonesien, bieten langfristiges Wachstum: Das wird wird schwierig, wenn dort Dürren und extreme Hitzetage das Leben unmöglich machen könnten.
  • Investitionen in Immobilien sind eher konservativ: Vielleicht weniger als man denkt, wenn der Meerespiegelanstieg durch den Klimawandel beschleunigt wird und ganze Regionen überflutet werden könnten und Hitzetage ganz neue Anforderungen an Gebäude stellen könnten.
  • Wir haben eine planbare Zukunft: Investoren bauen oft darauf, dass eine Investition auch in Zukunft planbar ist. Doch die Klimakrise stellt diese Sicherheit in Frage, denn sie kann auch die Grundfesten unserer Zivilisation ins Wanken bringen.
Thunderstorms ahead - Investors on Climate Change and Climate Crisis
Klimakrise: Mehr Gewitter und Stürme sind ein Teil davon

Es hat mich auch überrascht, dass es noch relativ wenig Beiträge gibt, die die Klimakrise aus (Value) Investorensicht beleuchten. Von daher freue ich mich über deine Kommentare, falls du weitere Quellen hast.

Jeremy Grantham: Leben wir in einer lebensfeindlichen Umgebung?

Jeremy Grantham steht für das G in GMO. In der Value Investing Welt hat er sich durch seine langfristigen, datengetriebenen Einschätzungen als Investor einen sehr guten Ruf erarbeitet. Seit einigen Jahren hat er auch eine ganze Reihe von Vorträgen zur Klimakrise und zum Zustand unserer Umwelt gehalten. Ich habe diese in einer Playlist zusammengefasst, die es sich wirklich lohnt anzusehen:

Jeremy Grantham, der mittlerweile fast sein gesamtes Vermögen für den Kampf gegen den Klimawandel gespendet hat, greift in seinen Vorträgen eine ganze Reihe von Themen auf – alles mit zahlreichen Daten unterlegt.

Besonders spannend und gleichzeitig erschreckend ist der Komplex Nahrungsversorgung. Bereits heute sind viele Böden durch unsere landwirtschaftlichen Produktionsprozesse sehr in Anspruch genommen. Durch den Klimawandel kann sich das weiter verschärfen: Durch Starkregenereignisse, die zunehmen werden, wird auch immer mehr Boden abgetragen. Dies kann dazu führen, dass in den nächsten Jahrzehnten die landwirtschaftliche Produktivität zu sinken beginnt.

Auch aus anderere Ecke kann ungemach drohen: Durch den Temperaturanstieg wird die Fortpflanzungsfähigkeit zahlreicher Insektenarten zurückgehen, was wiederum Auswirkungen auf die Biosphäre und die Bodenqualität und die Nahrungsmittelverfügbarkeit hat. Jeremy Grantham vertritt sogar die These, dass wir gerade dabei sind durch den Einsatz von Chemikalien unsere Umwelt in einen für Leben toxischen Zustand zu versetzen.

Spencer Glendon: Was passiert mit Investments in Küstenregionen?

Spencer Glendon arbeitet seit vielen Jahren an der Schnittstelle der Klima- und Finanzmarktforschung. In seiner Arbeit überträgt er die Erkenntnisse aus der Klimaforschung auf die Kapitalmärkte – und kommt zu erschreckenden Projekten. In diesem sehr sehenswerten Vortrag im Rahmen der SOHN Conference 2019 geht er auf die “Klimablase”, die den Immobilienmarkt und die kommunalen Haushalte in Florida bedroht, ein:

Ebenso rüttelt Spencer Glendon in diesem Vortrag an der Annahme, dass das zukünftige Wachstum der Weltwirtschaft aus warmen Schwellenländern kommen wird, wie z.B. Indien kommen wird. Dürren und die Zunahme der tödlichen Hitzetage sprechen gegen viel Wachstum aus solchen Schwellenländern, wie auch diese Projektion verdeutlicht:

Einen weiteren sehenswerten Vortrag von Spencer Glendon habe ich auf Vimeo gefunden. Dort geht er auf die Bedeutung des Klimawandels für die Immobilienbranche ein:

Bill Gates: Innovationen für den Klimaschutz

Auch Bill Gates ist einer der Investoren und Spender, die sich das Thema Dekarbonisierung der Wirtschaft und Kampf gegen den Klimawandel auf die Fahnen geschrieben haben. Bill Gates setzt dabei vor allem auf Innovationen, um Produktionsprozesse in verschiedenen Branchen zu dekarbonisieren. Einen Überblick über seine Arbeitsbereiche findest du in dieser Playlist:

In den Gates Notes, seinem Blog, stellt er dabei verschiedene Projekte vor. So unterstützt er z.B. Unternehmen, die an einer Dekarbonisierung der Stahlherstellung arbeiten.

Frank Thelen: Ist unser Planet noch zu retten?

Frank Thelen ist bekannt aus der Höhle des Löwen – und hat gerade einen beachtenswerten Text zur Klimakrise veröffentlicht. Darin analysiert er die Gefahren der Klimakrise und zeigt auf Löungsmöglichkeiten auf. Prädikat lesenswert!

Johan Rockström: Sind wir dabei die Erde zu destabilisieren?

Johan Rockström ist kein Investor, sondern Klimaforscher. In seiner Rede, die er während des Berlin Green Investment Summit 2019 gehalten hat, richtet er sich jedoch an Investoren. Dort analysiert er zum einen den aktuellen Zustand des Planeten. Zum anderen redet er über Strategien und Wege, um unsere Wirtschaft zu dekarbonisieren.

Bildquelle: Ian Froome über Unsplash

Investoren zur Klimakrise: Die Floriablase & Fragen zur Ernährungssicherheit
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2 thoughts on “Investoren zur Klimakrise: Die Floriablase & Fragen zur Ernährungssicherheit

  • 25. September 2019 um 03:31
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    Die eigentlich Frage glaube ich ist doch, in was kann man eigentlich überhaupt noch mit guten Gewissen investieren und wo. Ich habe vor ein paar Tagen einen Bericht im Fernsehen gesehen, da wurde vor 20 jahren in Afrika an einen großen Fluss ein Hotel von einem Deutschen errichtet, früher wurde dort im Fluss geangelt und gebadet, heute steht dort nur noch das Hotel, ohne Fluss. Der Wasserspiegel sinkt dort 1 Meter pro Jahr ab. Interessanterweise läuft die von Deutschland geförderte Landwirtschaft in Sansibar bestens, für die Unternehmen, für die Menschen dort meist weniger gut, fast alles Monokulturen. Die Böden werden immer schlechter. So geht die Welt zu Grunde.

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    • 25. September 2019 um 22:50
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      Das ist definitiv keine einfache Frage. Und auch immer etwas Henne und Ei Problem, weil oft noch Anreize für gute Investments fehlen und manche Geschäftsmodelle, z.B. wegen fehlender CO² Besteuerung nicht greifen.

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