Ich hatte Mitte November 2019 die wunderbare Gelegenheit an einem Vortrag von Jeremy Grantham in Frankfurt teilzunehmen. Jeremy Grantham steht für das G in GMO. Er ist einer der Mitbegründer des in Boston ansässigen Asset Managers GMO. GMO verwaltet weltweit über 110 Milliarden Dollar. Jeremy Grantham wurde weltweit bekannt für profundes Wissen über die Historie des Aktienmarkts, seine Marktanalysen und seine Makroperspektive aus Value Sicht – und natürlich auch, weil viele seiner Prognosen richtig waren und gute Renditen brachten.

Jeremy Granthams Blick auf die Märkte

Jeremy Grantham ist genauso wie GMO bullish für die Emerging Markets. Die Bewertung der Emerging Markets ist aktuell sehr preiswert – und das obwohl sie deutlich mehr Bevölkerungs- und Bruttoinlandsproduktwachstum als die entwickelten Märkte bieten. Insbesondere Value Aktien aus den Emerging Markets sind sehr preiswert. GMO setzt deswegen bei seiner globalen Asset Allocation sehr stark auf die Entwicklungs- und Schwellenländer, wie auch in diesem Paper dargestellt.

Den amerikanischen Markt hält GMO dagegen für überbewertet. Warum verrät auch dieses CNBC Interview mit Jeremy Grantham:

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Wie können sich Anleger für den Klimawandel aufstellen?

Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war die Analyse des Klimawandels. Sich mit dieser sehr scharfen und auch sehr bedrückenden Analyse von Jeremy Grantham auseinanderzusetzen, ist für jeden langfristig denkenden Investor absolut empfehlenswert.

Der Mitgründer von GMO benennt in seinen Vorträgen die zahlreichen Gefahren auf, die für auch für Anleger durch den Klimawandel drohen. Auch bringt er Aspekte ins Spiel, die normalerweise in der öffentlichen Debatte wenig vorkommen. Er legt beispielswiese dar, wie die ohnehin schon ausgelaugten Böden der Welt durch steigende Starkregenereignisse in Gefahr sind. Schon jetzt bieten viele Böden der Welt nur noch für 30 bis 70 Ernten ausreichende Fruchtbarkeit. Viele fruchtbarer Boden wurden durch intensive Bewirtschaftung bereits regelrecht weggeschwemmt. Durch den Klimawandel nimmt die Intensität von Wettereignissen und Regen zu, so dass Boden in Zukunft noch viel schneller abgetragen werden könnte. Da so die Bodenproduktivität deutlich sinken könnte, wäre dies neben der Zunahme von Dürren eine weitere Gefahr für die weltweite Nahrungsversorgung.

In seinen Vorträgen gibt Jeremy Grantham auch immer wieder Einblicke in die Positionierung, die er als Investor vor dem Hintergrund des Klimawandels in seinem Portfolio vornimmt. Dazu gehört z.B. ein Investment in Kupfer, um von der zunehmenden weltweiten Elektrifizierung zu profitieren. Weitere Einblicke und Analysen findest du in dieser Playlist, die zahlreiche Vorträge von Jeremy Grantham enthält:

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Wenn du mehr Text als Video magst, kann ich dir das „Race of our lives“ Paper sehr ans Herzen legen.

Warum sich Investoren über Fruchtbarkeit und Spermien Gedanken machen sollten…

Einen Aspekt, den Jeremy Grantham in seinen Vorträgen bis jetzt nur angeschnitten hatte, vertiefte er in Frankfurt noch mal – er ist auch in diesem aktuellen Paper nachzulesen: Es ist seine Analyse zur Abnahme der Fruchtbarkeit in den entwickelten Ländern. Jeremy Grantham hat sich z.B. intensiver mit Studien zur Spermienkonzentration auseinandergesetzt. Diese ist in den letzten Jahren stark gesunken. 1973 waren es 99 Spermien pro Milliliter Sperma bei erwachsenen Männern. 2011 sind es nur noch 47. Das ist eine Abnahme von 1,9% pro Jahr. Schreibt man diese Entwicklung weiter fort, landet man 2050 eventuell bei nur 15 Spermien pro Milliliter Sperma. Das ist dann eindeutig im Unfruchtbarkeitsbereich. Eine Ursache davon, so Grantham, liegt mit großer Wahrscheinlichkeit in Produkten der chemischen Industrie. Verursacher könnten z.B. Pestizide sein, die man über die Nahrung aufnimmt, oder Chemikalien, mit denen man über Kosmetika in Kontakt kommt. Diese können auch Auswirkungen auf die weibliche Fruchtbarkeit haben.

Denkt man die hier beschriebene Entwicklung weiter, könnte dies für die chemische Industrie massiven Gegenwinde bedeuten. Da sie einer der Hauptverursacher des Problems sein könnte, könnten Sie massiven Druck der Öffentlichkeit zu spüren bekommen.

Als weitere Konsequenz könnten Investoren ihre Annahmen für das Bevölkerungswachstum in der Welt nach unten korrigieren müssen. Durch steigende Unfruchtbarkeit könnte es in Zukunft deutlich weniger junge Menschen auf der Welt. Das hat wiederum Konsequenzen für die Wachstumsannahmen vieler Regionen der Welt. Gerade die entwickelten Länder könnten davon betroffen sein. Dort könnte auch der Bedarf für Fruchtbarkeitstechnologien deutlich zunehmen.

Was Jeremy Grantham, Volkswagen und Bill Gates gemeinsam haben: Das Interesse an Klimaschutz und ein grünes Investment

Einen weiteren spannenden Einblick gab Jeremy Grantham in seine Venture Investments. Der GMO Mitbegründer hat fast sein gesamtes Vermögen in Höhe von 1 Milliarde $ in eine Stiftung überführt. Damit kämpft er gegen den Klimawandel an. Ein Teil seines Geldes nutzt er dabei für Ventures Investments, um die Wirtschaft zu dekarbonisieren.

Ein sehr spannendes Investment ist dabei QuantumScape – eine Firma, die laut Jeremy Grantham ziemlich unter dem Radar surft. QuantumScape arbeitet an einer Feststoffbatterie und wird von einem fähigen Gründer mit Silicon Valley Hintergrund geführt. Neben Jeremy Grantham ist VW dort auch seit 2014 auch investiert. VW hat seine Investition 2018 noch einmal aufgestockt und dürfte aktuell 350 Millionen $ in QuantumScape investiert haben. VW hat dieses Investment wahrscheinlich im Zuge seiner neuen Elektromobilitätsstrategie getätigt, die in diesem Vortrag der ACATIS Value Konferenz von Dr. Jörg Huslage erklärt wird:

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Jeremy Grantham hat in zwei Vorträgen Einblicke in QuantumScapes Batterietechnologie gegeben. Wenn das stimmt, was Jeremy Grantham auch hier und hier berichtet, dann scheint QuantumScape eine Feststoffbatterie entwickelt zu haben, die mit folgenden Charakteristika bald in die Serienfertigung gehen könnte (ausgeliefert könnten wohl schon einige Exemplare sein):

  • Die Hälfte des Gewichts bei gleicher Reichweite aktueller Batterien (zusätzlich kann das Kühlungssystem im Vergleich zu Lithium-Ionen eingespart werden, was weiteres Gewicht einspart) oder
  • doppelte Reichweite bei gleichem Gewicht.
  • Ca. 50% der Kosten bei gleicher Reichweite.
  • Eine Reichweite von bis zu 500 Meilen (über 800 km) ist möglich.
  • Die Batterie kann in 6 bis 12 Minuten (statt aktuell 3 Stunden) komplett geladen werden.
  • Die Batterie ist nicht entflammbar.

Eine solche Batterie wäre ein massiver Durchbruch für die Elektromobilität. VW könnte davon besonders profitieren, weil die Batterie problemlos in die neue VW E-Mobilitätsplattform integrierbar wäre und VW als früher Ankerinvestor wahrscheinlich exklusive Zugriffsrechte auf diese Feststoffbatterie hat.

Und was hat jetzt Bill Gates damit zu tun? Ein paar Tage nach der Veranstaltung mit Jeremy Grantham habe ich die Dokumentation „Inside Bill’s brain“ gesehen. Der dritte Teil handelt von Bill Gates Investments gegen den Klimawandel. Dabei werden auch drei Firmen gezeigt, die Bill Gates auf seiner Suche nach hilfreichen Technologien gegen den Klimawandel besucht. Eine davon ist QuantumScape. Und auch Breakthrough Energy ist in QuantumScape investiert. Breakthrough Energy ist ein 1 Milliarden $ Clean Energy Fonds, der u.a. von Bill Gates, Jeff Bezos, Jack Ma und Mark Zuckerberg finanziert wird.

Was haben Jeremy Grantham, Bill Gates und Volkswagen gemeinsam?
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