„Wetten Sie niemals gegen Amerika“ – Frank Fischer berichtet von der Berkshire Hathaway Hauptversammlung

„Wetten Sie niemals gegen Amerika“ – Frank Fischer berichtet von der Berkshire Hathaway Hauptversammlung

Keine Frage, der Mann ist Patriot: Warren Buffett wurde auf der diesjährigen Hauptversammlung von Berkshire Hathaway nicht müde, den Optimismus und die Widerstandsfähigkeit Amerikas hervorzuheben. Trotz der Herausforderungen der Coronakrise bleibe er genauso überzeugt, dass nichts Amerika stoppen könne wie er das schon im 2. Weltkrieg, während der Kubakrise, dem 11. September und der Finanzkrise von 2008 gewesen sei. Das Land habe in der Vergangenheit schwere Krisen wie den Bürgerkrieg oder die Große Depression überstanden, aber: „Die amerikanische Magie hat sich immer durchgesetzt“, so Buffett. „Wetten Sie niemals gegen Amerika.“

2019 sah die Berkshire Hathway Hauptversammlung noch ganz anders aus.

Die Coronakrise machte das Berkshire Hathaway Annual Shareholder Meeting 2020 zu einer besonderen Veranstaltung. In den vergangenen Jahren trafen sich bis zu 40.000 Bewunderer von Buffett und seinem Geschäftspartner Charlie Munger im Century Link Center in Omaha, Nebraska zum „Woodstock des Kapitalismus“. In diesem Jahr saß Buffett weitestgehend allein vor der Kamera. Nur gelegentlich wurde er von Greg Abel, dem Vorsitzenden und CEO von Berkshire Hathaway Energy und seit Januar 2018 stellvertretenden Vorsitzender des Nichtversicherungsgeschäfts unterstützt. „Charlie ist in guter Verfassung“, entschuldigte Buffett zu Beginn der Online-HV seinen Partner. Aber auf eine Veranstaltung ohne Aktionäre und ohne großes Publikum hatte Munger anscheinend keine Lust.

Hohe Kursverluste schlagen auf den Buchwert, aber das operative Geschäft läuft gut

Das Coronavirus hat auch im Geschäft von Berkshire Hathaway seine Spuren hinterlassen: So verbuchte das Unternehmen in den ersten drei Monaten einen Rekordverlust von knapp 50 Milliarden Dollar. Im 1. Quartal 2019 war noch ein Nettogewinn von 21,7 Milliarden Dollar ausgewiesen worden. Verantwortlich für das Minus waren vor allem die Kursverluste seit Beginn der Pandemie. Aufgrund geänderter Bilanzierungsregeln muss Berkshire Hathaway auch unrealisierte Kursverluste in der Gewinn- und Verlustrechnung berücksichtigen. Das ärgert Buffett, denn er hält dies nur für eine Momentaufnahme und rein vorübergehende Buchverluste. Er hat seinen Aktionären stattdessen empfohlen, dem Nettogewinn keine Beachtung zu schenken und verwies lieber auf das operative Geschäft. Hier wurde im ersten Quartal ein Gewinn von 5,9 Milliarden Dollar verbucht. Dies sind 300 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Allerding warnte Buffett auch davor, dass sich die Krise in den kommenden Monaten auch bei Berkshire bemerkbar machen werde. Der wirtschaftliche Einbruch belaste Unternehmen, die zum Konzern gehörten und würde einige Branchen nachhaltig verändern. Manche seiner kleineren Unternehmen würden die Krise womöglich nicht überleben.

Warren Buffett hat alle Airline-Aktien verkauft: die Welt hat sich verändert

Neben diesen Buchverlusten musste Buffett allerdings auch reale Verluste einräumen, die aber erst im 2.Quartal zu Buche schlagen. Dies betrifft vor allem die Aktien der großen US-Fluggesellschaften. Vor Ausbruch der Krise hatte Berkshire Hathaway noch mehrere Milliarden Dollar in Aktien von American Airlines, United Airlines, Delta Air Lines und Southwest Airlines gehalten. Nun wurden diese allesamt mit Verlust verkauft, wie Buffett einräumte. „Die Welt hat sich für die Fluggesellschaften verändert und die Gewinnsituation dramatisch eingetrübt“, so Buffett. Gleichzeitig könne niemand vorhersagen, wie sich der Flugverkehr nach der Krise entwickeln werde. Ein Investment sei daher nicht mehr attraktiv und er wolle deshalb lieber aussteigen. Den Verkauf der Aktienpakete bescherte Buffett und Berkshire am Ende einen Verlust von einer bis zwei Milliarden US-Dollar.

Ein Aktionär muss Geduld mitbringen

Im April hat Buffett für 6,5 Milliarden Dollar Aktien verkauft. Auf der anderen Seite wurden nur 426 Millionen Dollar neu investiert. Das erstaunt angesichts der Tatsache, dass Berkshire Hathaway in Summe auf einem Cash-Polster von rund 137 Milliarden Dollar sitzt. Aber Buffett machte indirekt klar, dass er die Zeit für größere Engagements noch nicht für reif halte, denn die Situation der US-Wirtschaft sei wegen des Coronavirus noch nicht abschließend zu beurteilen. Das mag zunächst als ein Widerspruch zum eingangs geäußerten optimistischen Blickes auf Amerika erscheinen. Aber ein Buffett denkt eben langfristig in Zyklen von bis zu 50 Jahren und mit dieser Perspektive überwiegt der Optimismus: die Krise werde auch im Portfolio von Berkshire Hathaway ihre Spuren hinterlassen, aber man werde damit fertig.

Kurzfristig, so scheint es, erwartet Buffett weitere Kurseinbrüche und hält deshalb sein Pulver trocken, bevor er größere Positionen neu eingeht. Es ist eben noch nicht die Zeit, in der alle anderen nur Angst haben. Wenn das der Fall ist, wird es attraktive Unternehmen auf der Suche nach Kapital geben und Buffett wird mit seinem Cash die Gelegenheit nutzen. Als Aktionär muss man nur die notwendige Geduld mitbringen.

Diese Geduld hat Warren Buffett. Er steht in diesem Jahr seit über 55 Jahren an der Spitze von Berkshire Hathaway. Das verschafft ihm Weitblick und auch Optimismus. Und so ist er auch sicher, dass die Berkshire Hathaway Hauptversammlung 2021 wieder wie gewohnt verlaufen wird – und er seinen langjährigen Weggefährten Charlie Munger wieder an seiner Seite sitzen haben wird: „Charlie wird nächstes Jahr wieder hier sein. Das hat er mir fest versprochen“, so Buffett. Dann wird Munger immerhin schon 97 Jahre alt sein.

Sind Warren Buffett und Charlie Munger 2020 wieder vereint?

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Frank Fischer

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Frank Fischer, Chief Investment Officer der Shareholder Value Management AG und in dieser Funktion verantwortlich für den „Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen“, schreibt regelmäßig über die internationalen Aktienmärkte. Als überzeugter Value-Investor hat Fischer langjährige Expertise in allen Fragen rund um Fonds, Börse, aber auch das Stiftungswesen. In seinen regelmäßigen Marktkommentaren legt er besonderes Augenmerk auf Behavioral Finance, sowie Investments in Small- und Midcap-Werte.
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