Axel Krohne: Wie preiswert sind die Emerging Markets gerade?

Axel Krohne: Wie preiswert sind die Emerging Markets gerade?

In der Finanzwelt gibt es ein Klagelied, das schon seit vielen Jahren alle anderen Marktgeräusche übertönt. Es ist das allgegenwärtige Wehgeschrei über die expansive Geldpolitik der westlichen Notenbanken. Ob auf Finanzkongressen, in einschlägigen Fachpublikationen oder in den vielbeachteten Strategiekommentaren der Analysten: Allenthalben wird uns glaubhaft versichert, die Politik der Notenbanken habe dazu geführt, dass sich die Assetpreise von den realwirtschaftlichen Realitäten abgekoppelt hätten – und sie habe zudem auch alle klassischen Bewertungskriterien außer Kraft gesetzt. Durch die Corona Krise ist dieser Chorgesang der Resignation nur noch lauter geworden.

Emerging Markets Corona

Wirklich eine Entwertung aller Maßstäbe?

Ich teile dieses Unbehagen durchaus. Ich erkenne aber nicht, dass in den letzten Jahren bereits eine Inflationierung sämtlicher Assetpreise stattgefunden hätte. Und ich widerspreche vehement der Ansicht, dass die klassischen Bewertungsansätze der Aktienanlage heutzutage nicht mehr gelten würden. Für mich als Value-Anleger gibt es seit jeher klare Maßstäbe für die Werthaltigkeit von Investments. Dass gewohnte Bezugsgrößen wie etwa der „risikolose Zins“ nun weggefallen sind, entwertet diese Maßstäbe nicht etwa, sondern verleiht ihnen nur noch größere Bedeutung.

Gerade in unsicheren Zeiten sollten wir dafür dankbar sein, mit der Value-Analyse ein Instrument haben, an dem wir den Gegenwert unserer Investitionen festmachen können. Das Frappierende ist aber, dass der Value-Ansatz an den Märkten gerade heute kaum noch verfolgt wird. In den USA beispielsweise sind klassische Value-Aktien mit hoher Substanz und hohen Ausschüttungen gegenüber Wachstumsaktien aktuell so niedrig bewertet wie seit 2008 nicht mehr.

Sind die USA überbewertet?

Ein Phänomen ist außerdem die Outperformance der US-Börsen selbst. Sie eilen den Aktienmärkten der übrigen Welt weiter davon, obwohl sie unter Value- und Substanz-Gesichtspunkten schon seit Jahren die mit Abstand geringste Werthaltigkeit bieten. Laut Morgan Stanley war der US-Aktienmarkt relativ zum Rest der Welt schon vor der Coronakrise so hoch bewertet wie seit über 100 Jahren nicht mehr. Im Februar standen die Vereinigten Staaten nur noch für 25% der weltweiten Wirtschaftsleistung, aber für 56% der globalen Marktkapitalisierung. Covid-19 und die massiven amerikanischen Hilfsprogramme und Notenbankaktionen haben jetzt noch mehr Geld aus anderen Weltregionen an den US-Markt fließen lassen, obwohl die Vereinigten Staaten durch die Epidemie ja weltweit mit am schwersten getroffen wurden, und obwohl die Krisenstrategie des Landes keineswegs positiv hervorsticht.

Warum gibt es gerade Chancen an den Börsen der Emerging Markets?

Auf der anderen Seite der globalen Popularitäts-Skala stehen die Emerging Markets und Frontier Markets. Der MSCI Emerging Markets Index liegt seit der Finanzkrise stark im Hintertreffen und notiert heute gerade mal auf dem Niveau vom Frühjahr 2007. Der MSCI Frontier Markets Index wiederum hat sich im gleichen Zeitraum sogar fast halbiert. Gerade in den letzten Jahren fand aus den Frontier Märkten nochmals eine regelrechte Flucht statt. Namhafte Flaggschiffprodukte wie der Templeton´s Frontier Fund und der Morgan Stanley Frontier Fund verloren noch vor der Coronakrise innerhalb von zwei Jahren 76 Prozent und 82 Prozent ihres jeweiligen Fondsvolumens. Viele große Institutionelle sind an diesen Wachstumsbörsen inzwischen sogar gar nicht mehr präsent.

Dies steht in einem krassen Widerspruch zu der Behauptung, das allgemeine Geldmengenwachstum würde die Assetpreise weltweit aufblähen. Wäre es wirklich so, dass die Anleger verzweifelt die Welt nach Renditechancen abgrasen würden, dann müssten sie sich auf die niedrig bewerteten Schwellenländer geradezu stürzen. Das Gegenteil war aber zuletzt der Fall – und durch die Covid-19-Krise verstärkt sich das Missverhältnis noch weiter.

Das Problem ist also weniger die westliche Geldpolitik. Das Problem sind sicherlich auch nicht die vermeintlich „höheren Risiken“ der Schwellenländer, die zur Erklärung immer wieder gern herangezogen werden. Die meisten Investoren machen sich schon lange nicht mehr die Mühe, das Risiko der einzelnen Länder fallweise zu bewerten. Und das Attribut „riskant“ ist längst zu einer Pauschaleinstufung geworden, die sich in den meisten Fällen nicht fundamental untermauern lässt. Sie veranlasst die Marktteilnehmer hauptsächlich zu Reflexreaktionen, die in der Regel nicht fundiert sind und die zum größten Teil prozyklisch ausfallen.

Corona Schwellenländer
Ägypten ist eines der Länder in dem Axel Krohne investiert

Schwellenländer in Corona Zeiten: Vom Herdentrieb noch nicht erfasst

Das Problem liegt hauptsächlich am Konformismus der Marktteilnehmer, der seit einiger Zeit wieder regelrecht mit Händen zu greifen ist. Die Asset-Manager haben schmerzhaft gelernt, dass es sich nicht lohnt, die vorherrschenden Überzeugungen in Frage zu stellen. Deshalb denkt wieder jedermann das Gleiche, tut das Gleiche; und die Geldvermögen fließen alle in die gleiche Richtung. Zugleich beklagen alle Marktakteure die wachsenden Divergenzen und Ungleichgewichte, ohne dass sich dadurch nur das Geringste ändern würde.

Andererseits produziert dieser Konformitätsdruck aber auch Chancen, die sich kaum noch ignorieren lassen. Die größten Gelegenheiten ergeben sich dabei genau in den vielfach verkannten Emerging Markets und Frontier Markets, wo Value-Anleger noch Qualität zu herausragenden Preisen einkaufen können. Hinzu kommt, dass der Value-Ansatz ein probates Instrument ist, um diese Qualität auch greifbar und fassbar zu machen. Substanz ist an jedem Ort der Welt gleich signifikant. Das schafft die tatsächlichen und vermeintlichen Risiken zwar nicht aus der Welt, aber es dämmt sie ein.

9% Dividendenrendite im Durchschnitt bei Investments in Emerging Markets

Beim AvH Emerging Markets Fonds stellen wir Substanz und Bewertungen über alles Andere. Wir meiden Marktschwergewichte, halten uns von Rohstoffaktien fern und machen einen großen Bogen um Geschäftsmodelle, die nicht die von uns gewünschte Stetigkeit mitbringen. Wir investieren in Einzelhändler, Finanzdienstleister, Nahrungsmittelkonzerne – und in alles, was stabile Erträge abwirft und auch in schwierigen Zeiten gebraucht wird.

Unser Portfolio verfügt dadurch über Kennzahlen, die bei vielen Anlegern nur ungläubiges Staunen hervorrufen. Die im Fonds enthaltenen Aktien verfügen inzwischen über eine durchschnittliche Dividendenrendite von 9%. Zugleich werden sie zu einem Durchschnitts-KGV von 4 und zu einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von lediglich 0,66 gehandelt. Solche Kennziffern klingen ungewöhnlich. Sie sind aber erreichbar – sobald man sich an den wirklich unterbewerteten Börsen umsieht und dort konsequent unter Value-Aspekten investiert.

Ein Umdenken tut not

Marktverzerrungen und niedrige Renditen bleiben ein Problem unserer Tage. Investment-Ansätze, die sich an den tatsächlich vorhandenen Werten ausrichten, könnten Anlegern in diesen Zeiten eine dringend notwendige Orientierung bieten – und zugleich den chronisch verkannten Schwellenländerbörsen wieder mehr Beachtung verschaffen. Noch ist es aber nicht soweit. Der Leidensdruck bei den Investoren ist offensichtlich noch nicht hoch genug!

Bildquellen: Kingsley Yang & sophia valkova über Unsplash

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Axel Krohne

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Axel Krohne sucht für den AvH Emerging Markets Fonds nach besonders günstig bewerteten Schwellenländer-Aktien. Als konsequenter Verfechter des Value-Ansatzes rät er zu einer Neubesinnung auf Substanz - und warnt Anleger davor, sich von den vorherrschenden Marktüberzeugungen mitreißen zu lassen.
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