Value Investing bedeutet in erster Linie: Man investiert in den Wert eines Unternehmensanteils – und das sehr oft in Form einer Aktie. Bei Aktien haben viele Deutsche ein falsches Bild im Kopf. Sie denken leider oft an Spekulation und haben leider zu wenig Ahnung von der Preisbildung von Aktien. Der Wert einer Aktie ist aber das dahinterstehende Unternehmen. Aktien und Unternehmen sind eins. Was bedeutet aber das falsche Bild der Deutschen über Aktien für uns Value Investoren?

Unterschied Aktien Unternehmen

Mit einer Aktie erwirbt man einen Bruchteil eines Unternehmens

Aktien stellen eine direkte Beteiligung an einem Unternehmen dar. Dabei unterscheiden sie sich kaum von einem Handwerksbetrieb um die Ecke oder von einer Hausarztpraxis. Nur der Rechtsrahmen unterscheidet sich ein bisschen. Im Gegensatz zum Handwerksmeister oder Hausarzt, die ihre Unternehmen meistens vollständig besitzen und außerdem je nach Gesellschaftsform auch mit ihrem eigenen Privatvermögen haften, gibt es kaum große Unterschiede zum Unternehmensbesitz über Aktien. Identisch ist, dass man ein Recht auf Gewinnbeteiligung, ein Mitspracherecht und ein Recht auf einen Teil der Liquidationsmasse besitzt. Darin liegt letztendlich der Wert einer Aktie. Es ist nicht die abstrakte Preisfindung an der Börse, die durch Emotionen und Herdenverhalten beeinflusst wird.

Realer Wert eines Unternehmens vs. Preis der Aktie

Um Preis und Wert noch klarer zu unterscheiden, wollen wir folgendes Gedankenexperiment machen: Man stelle sich ein Geschäft in seiner Stadt an einer spärlich befahrenen Nebenstraße vor. Die Eigentümerin ist eine umsichtige Unternehmerin. Sie hat mit ihren Produkten in der Nische einen Namen gemacht. Sie vertreibt ihre Waren auch über eine Website, obwohl der größte Teil des Umsatzes noch über die Ladentheke läuft. Das Geschäft gibt ihr seit mehreren Jahren ein auskömmliches Einkommen, auch wenn es kaum wächst und bald eine Renovierung für den Laden fällig wird. Die Eigentümerin ist ein vorsichtig und sparsam. Deswegen ist das Unternehmen auch schuldenfrei.

Stell dir nur vor, dass ein Investor das Geschäft betritt. Er macht der Besitzerin ein Angebot: Er will das Geschäfts für deutlich weniger als das Geld in der Kasse und den Gegenwert des Lagerbestands kaufen. Die Besitzerin würde diesen Investor zu Recht auslachen.

Genau solche sonderbaren Szenarien gibt es manchmal an der Börse: Die Börse ermöglicht es Unternehmen für weniger als den Kassenbestand bei vernachlässigbaren Schulden zu kaufen. Ein solches Angebot würde von jedem Unternehmer richtigerweise als Beleidigung aufgefasst werden. Doch an den Finanzmärkten werden jeden Tag solche Unternehmen gehandelt. Sie werden auch mit dem Begriff „Net-Nets“ bezeichnet, d.h. Der Preis dieser Unternehmen ist kleiner als das Netto-Umlaufvermögen. Manchmal gibt es Gründe, die gegen eine Investition in ein Net-Net sprechen, zum Beispiel, dass es einen Mehrheitsaktionär gibt, der andere Wege findet, das Geld aus dem Unternehmen zu ziehen. Aber oft liegt Mr. Market auch einfach falsch.

Als Value Investor stellt man sich gegen spekulative Preise

Value Investoren können bei diesem Missverhältnis zwischen Aktienpreis und Unternehmenswert als Korrektiv handeln und gleichzeitig gutes Geld verdienen. Entweder indem sie ihr Mitspracherecht geltend machen und vorschlagen, das Unternehmen zu liquideren, um von der Kasse direkt zu profitieren. Oder indem sie sich an den Dividenden einfordern und sich daran erfreuen. Je nachdem in welcher Laune sich die Börse gerade befindet, haben Investitionen in Net-Nets für Value Investoren ein sehr gutes Chance-Risiko-Verhältnis.

Bildquellen: Ishant Mishra über Unsplash

Unterschied zwischen Aktien und Unternehmen – Grundlage des Value Investing
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