Warum Value Investieren und Nachhaltiges Investieren wesensverwandt sind

Warum Value Investieren und Nachhaltiges Investieren wesensverwandt sind

Value Investieren – das bedeutet, Aktien günstig einzukaufen.

Nachhaltig – das bedeutet, daß Unternehmen unter Umweltaspekten (Environment), unter sozialen Gesichtspunkten und in der Unternehmensführung (Governance) nachhaltig agieren sollen. Soweit die bisherige Welt der Nachhaltigkeit. In den letzten Jahren hat sich die Perspektive erweitert – auf die Emissionsbelastung aus der gesamten Lieferkette und auf die Einhaltung der Nachhaltigkeitsziele der UNO.

Wir haben vor rund 10 Jahren erstmals Nachhaltigkeitskriterien in einigen unserer valueorientierten Fonds umgesetzt. Was uns damals schon auffiel: Firmen, die langfristig denken, handeln häufig nachhaltig und bieten darum unter Valuegesichtspunkten einen guten Gegenwert. Wir haben unsere „ACATIS Fair Value Fonds“ darauf hin umgestellt und sind damit gut gefahren.

Nachhaltigkeit & Value Investing

In den letzten Jahren haben wir neben den klassischen ESG-Kriterien auch weitere zukunftsorientierte Kriterien hinzugefügt, die sich an den 17 Entwicklungszielen der UNO orientieren (Sustainable Development Goals – SDG-Ziele). Und die funktionieren als Investmentkriterien noch wesentlich besser als die ESG-Kriterien. Firmen, deren Produkte die Welt verbessern, haben meistens auch ein höheres Wachstum als solche, die es nicht tun. Für die Performance ist die Kombination von Value, Nachhaltigkeit und SDG-Kriterien sehr vorteilhaft.

Nachhaltigkeit & Value Investing

Paradox ist aber auch: Firmen, die sich einen Teufel um die Nachhaltigkeit scheren, bieten ebenfalls einen guten Value-Gegenwert.

Es ist unter Renditegesichtspunkten ähnlich attraktiv, in Firmen mit guter Governance, gutem sozialen Engagement und nachhaltigen Produkten zu investieren wie in Firmen, die von Cowboys geführt werden, ihre Mitarbeiter ausbeuten und die Umwelt, die Gesundheit oder den Frieden gefährden. Tabak, Öl, Pornographie, Alkohol und Waffen rechnen sich. Diese Firmen werden von Aktionären gemieden, sind darum häufig billig und rentieren deshalb höher. Außerdem erfüllen sie häufig niedere menschliche Bedürfnisse – Alkohol oder Glücksspiel zum Beispiel laufen immer und versprechen gute Margen.

Wenn also gute und schlechte Firmen ähnlich attraktiv sind, wo verstecken sich dann die schlechten Performer? Das sind im Regelfall die Firmen, die sich zu wenig Gedanken machen – das breite Mittelfeld also. Ihre wirtschaftliche Voraussicht, ihre Planung, ihr langfristiges Denken sind nicht gut ausgeprägt, und darum sind sie im Wettbewerb nicht sehr stark.  Firmen, die ihre Position hingegen in einer nachhaltigen Welt definieren, sind wettbewerbsstärker und rentieren damit besser.

In den letzten Jahren hat sich das Blatt noch mal deutlich positiv Richtung Nachhaltigkeit verstärkt. Wenn zum Beispiel ein Unternehmen wie Paypal durch die Einführung günstiger internationaler Zahlungstransfers Wanderarbeitern oder Gastarbeitern die Überweisung in die Heimat verbilligt (zu Lasten von Platzhirschen wie Western Union), dann wird damit zum einen Geld verdient, zum anderen die Technologie vorwärts entwickelt und schließlich das Wohlergehen der  ärmsten Milliarde unter den Menschen geholfen. Häufig lassen sich diese nachhaltigen Ziele mit innovativen Lösungen und Techniken erreichen. Zukunftssicherheit, Nachhaltigkeit und Entwicklungsziele verknüpfen sich in positiver Weise miteinander und fördern die Investmentrendite.

Ziele und Kriterien müssen über Zeit immer wieder nachgeschärft und justiert werden. Ich bin zum Beispiel überzeugt, daß wir in wenigen Jahren zum Beispiel wegen des Klimawandels aktiver mit dem Erbgut von Pflanzen arbeiten müssen, um robuste Pflanzen anbauen zu können. Das werden dann gezielte Kreuzungen sein mit dem Wissen um die genetischen Eigenschaften. Wir werden also feiner definieren müssen, was Nachhaltigkeit wirklich bedeutet. An welcher Stelle greifen wir in den Bauplan der Natur hinein? Auch haben viele Nachhaltigkeitsinvestments wenig mit Romantik und Natur zu tun: Die Verringerung von Emissionen in der Zement- und Stahlindustrie braucht großindustrielle Lösungen. Und an dieser Stelle ist der intelligente, wertorientierte und nachhaltig denkende Investor wieder gefragt.

Dein Autor ist:

Dr. Hendrik Leber

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Dr. Hendrik Leber ist seit mehr als zwei Jahrzehnten im Investmentgeschäft tätig. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaft arbeitete er von 1984-89 für die Unternehmensberatung McKinsey und von 1989–1994 für das Bankhaus Metzler. 1994 gründete er in Frankfurt die ACATIS Investment GmbH. Die ACATIS Investment GmbH ist ein bankunabhängiger, selbstständiger Vermögensverwalter, dessen Kernkompetenz das „Value Investing“ nach Benjamin Graham und Warren Buffett ist.
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